Grundsätzlich ist Musik bewegte Luft. Schallwellen eben, mehr oder minder strukturiert und – hier wird die Sache zur Kunst – in einem sozial tradierten Zusammenhang stehend.
Soweit das Grundsätzliche.
Im Rahmen dieser Grundsätzlichkeit jedoch geht die Wahrnehmung, oder besser: der Wille und Weg zur Definition, weit auseinander.
Dass das letzten Endes wieder egal ist, zeigt eines der schönsten Alben des letzten Jahres: Our Oceans entäuschen mit ihrem gleichnamigen Debutalbum jegliche Erwartungshaltung.
Und beweisen, dass es eben doch darauf ankommt, Luft möglichst gelungen in Schwingung zu versetzen.

(521 / 603)

Our Oceans ist das Kind Tymon Kruideniers, ex-Mitglied von Exivious, der Kollegen von Cynic und Dodecahedron versammelt hat, um etwas zu schaffen, was er selbst dem Singer/Songwriter-Genre zuordnet.
Das erstaunt, sind diese Musiker doch allesamt für Metal der extremen – und extrem verquasten – Sorte bekannt.

Was Our Oceans dann im gleichnamigen Album zu Gehör bringen, ist ungefähr gleich weit von Akustikgitarrengecroone entfernt wie von Death-Math-Jazz-Metal.
Aber genau dieses Mittige gelingt wunderbar: Definitiv progressiv, was die Musiker hier vorlegen und definitiv Rock mit Anklängen von Doom und Sludge. Aber wer zu viel Steve Wilson in Our Oceans hineinhören will, wird im nächsten Moment schon wieder enttäuscht. Oder besser: überrascht.

Man merkt es Our Oceans an, dass sie es gewohnt sind, mit großen Emotionen zu spielen – Krach zu machen, auch ohne den Lautstärkeregler aufzudrehen. Kühle Gitarren verweben sich mit blubbernden Basslinien (sexy: fretless) zu einem Klangteppich, der die Ohren wohlig im Flor versinken lässt. Daneben klingt Kruideniers Stimme verletzlich, so, als müsse sie ankämpfen gegen das Untergehen im Tonrausch.
Es ist gerade diese Dringlichkeit, die den Liedern ihre Intensität verleiht. Our Oceans kommen ohne große Dramatik aus. Dennoch – deshalb? – wurmen sich die Refrains ins Gemüt: Das ganze Album entfaltet seine Wirkung still, ein wenig heimlich und unwiderstehlich.

Our Oceans / Our Oceans ist erhältlich auf Bandcamp.